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Das Legasthenieattest

Oder

Die Lizenz zum Falschschreiben


Mir gegenüber sitzt ein 12-jähriger Junge. Er wirkt bedrückt und voller Selbstzweifel als er bemerkt: „Ohne die Lizenz zum Falschschreiben würde ich doch nie eine Schule schaffen!“


Ich kann nicht ausschließen, dass es auch die Kinder gibt, die das Legasthenieattest tatsächlich als „Lizenz zum Falschschreiben“ ansehen und deshalb keinen Anlass mehr sehen, sich anzustrengen. Zumindest wird das nicht selten von Lehrern und mitunter auch von Eltern befürchtet. Mir selbst ist diese Einstellung nur ein einziges Mal und auch da nur ansatzweise begegnet und dieser Irrtum war rasch beseitigt.


Die Kinder, die ich im Laufe meiner Arbeit kennengelernt habe, würden viel lieber genauso gut schreiben können, wie ihre Klassenkameraden. Vielen ist es unangenehm, diese „Sonderbehandlung“ in Anspruch nehmen zu müssen. Sie blicken neidisch auf die Mitschüler, denen es scheinbar mühelos gelingt, die vielen Rechtschreibklippen zu bewältigen. Das würden sie auch gerne können. Sie würden sich auch anstrengen, wenn sie damit Erfolg hätten. Dieser kann sich aber erst einstellen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Ohne diese Voraussetzungen läuft jede Anstrengung ins Leere. Die Anstrengung allein erzielt keine besseren Resultate und ist damit zunächst wirkungslos.


Ist es gerecht, diesen Kindern mangelnde Anstrengungsbereitschaft vorzuhalten?


Aber auch wenn die Kinder bestimmte Voraussetzungen erworben haben, wird sich der Erfolg nicht immer sofort einstellen. Spätestens ab der dritten Klasse wissen alle Kinder (auch die Legastheniker), dass nach dem Punkt groß geschrieben werden muss. Trotzdem gibt es nicht wenige (auch gut begabte) Kinder, die es über einen langen Zeitraum nicht schaffen, diese scheinbar so einfache Regel anzuwenden. Damit nicht genug, dass die Kinder sich für so „dumme“ Fehler wirklich schämen, es wird ihnen häufig vorgeworfen, sie hätten sich nicht angestrengt oder zu wenig konzentriert oder es wäre ihnen egal, weil die Fehler nicht gewertet werden dürfen. Das halte ich für einen Irrtum. Ohne ausreichende Automatisierung sind die Kinder von der Anwendung der gelernten Strategien und Regeln ganz einfach überfordert.


Vielleicht erinnern sie sich an ihre erste Fahrstunde. Wie haben sie sich gefühlt, wenn sie zum wiederholten Mal etwas übersehen hatten? Haben sie sich zu wenig angestrengt? Wie lange hat es gedauert, bis so Selbstverständlichkeiten wie "in den Rückspiegel zu blicken" oder "den Blinker zu setzen" wirklich ohne bewusste Steuerung funktionierten? Klappt das jetzt, weil sie sich mehr anstrengen?


Dass es ohne Anstrengung nicht geht, wissen die Kinder, zumindest die, die ich kenne. Welches Ziel in welcher Zeitspanne erreicht werden kann, ist kaum vorhersehbar. Notenschutz und Nachteilsausgleich kann helfen, die schulische Situation der Kinder erträglicher zu machen, die meisten würden lieber ohne auskommen!

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