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Vom Sinn und Unsinn des Übens

oder

Warum das Üben manchmal ins Leere läuft


Frau M. ist zu mir zum Vorgesprächstermin gekommen. Sie hat die Zeugnisse ihrer Tochter mitgebracht. Mehrfach lese ich die gutgemeinte Empfehlung der Lehrkräfte:


"Mit täglichen Leseübungen ließe sich die Lesefähigkeit verbessern!"


Resigniert versichert mir die Mutter, sie hätten regelmäßig geübt, vielleicht nicht täglich, sicher aber fünfmal pro Woche. Leider habe es nichts genützt. Inzwischen würde es immer schwieriger, das Mädchen zum Lesenüben zu bewegen, da diese sich zunehmend weigere. Sie selbst könne sich nur noch schwer überwinden und hätte die Hoffnung schon fast aufgegeben.


Doch warum greift das Rezept des regelmäßigen Übens in manchen Fällen nicht? Üben kann man nur, was man schon kann. Üben dient der Verbesserung, Festigung und Automatisierung einer bereits erworbenen Fertigkeit. Um eine neue Fertigkeit üben zu können, muss sie erst erlernt werden. Das geht in den meisten Fällen fast wie von selbst und braucht normalerweise keine Unterstützung durch einen Therapeuten. Beim Vorliegen einer Lernstörung ist das leider nicht der Fall.


Die Mutter beschreibt die Lesetechnik ihrer Tochter als "buchstabenweises Lesen". Sie würde selbst bei kurzen häufigen Wörtern zuerst die einzelnen Buchstaben nennen, und dann das Wort aussprechen. Es stellt sich heraus, dass das Mädchen sogar eine erstaunlich gute Fähigkeit hat, auch bei längeren Wörtern die Einzelbuchstaben zu einem korrekten Wort zusammenzusetzen. Wirklich erstaunlich ist das allerdings nicht, denn genau das hatte sie sehr intensiv über einen längeren Zeitraum geübt. Sie war in der Sackgasse des lautierenden Lesens gelandet.


Viele Kinder verwenden diese Strategie übergangsweise, bis sie durch eine günstigere ersetzt wird. Im vorliegenden Fall kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass dies ohne professionelle Unterstützung noch passieren wird. Im Gegenteil, durch das Üben der ungünstigen Lesestrategie wurde diese gefestigt.


In einem weiteren Fall habe ich erlebt, dass ein Junge das lautierende Lesen von einem Tag zum anderen durch eine andere Strategie ersetzt hat. Er hatte beobachtet, dass gute Leser ein Wort nur kurz anschauen, blitzschnell erkennen und aussprechen können. Plötzlich glaubte er zu wissen, wie das Lesen funktioniert. Leider hatte er die Fähigkeit der ganzheitlichen Worterkennung noch nicht erworben und so wurde aus Schwester Schwein und aus Zweifel Zwiebel und es kam sogar vor, dass das geschriebene und gelesene Wort in keinem einzigen Buchstaben übereinstimmten. Mit lesen hatte das nichts mehr zu tun, am ehesten kann man sagen, der Junge hat lesen gespielt.


Was würde dieser Junge üben, wenn man mit ihm einfach nur üben würde?

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich durch das Üben dieser Strategie, nämlich der des Wörterratens, eine echte Lesefähigkeit entwickelt?


Bevor die beschriebenen Kinder vom Lesenüben profitieren können, müssen sie bestimmte  Fertigkeiten erworben haben. Dieser Erwerb kann durch gezieltes Üben unterstützt werden, doch für dieses Üben brauchen Eltern genaue Anweisungen, was und wie geübt werden soll.


Falls Sie mehr über Lernvoraussetzungen und erreichbare Lernziele wissen wollen, beachten Sie auch:


Thema 7:         Der hierarchische Aufbau von Lernzielen

                        am Beispiel des Zehnerübergangs

                        

                                                

  

  

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